Lebensart – So lebe ich

Fernbeziehung.

„Die Entwicklungschancen einer Beziehung sind um so größer, je mehr Chancen wir ihrer Entwicklung geben.“

Ernst Ferstl

 

Im nächsten Monat jährt sich zum fünften mal das Ende unseres „normalen“ Pärchendaseins. Wir führten schon immer eine Beziehung der Sorte „Zweierpack“. In der Regel gab es uns zusammen oder eben nicht. Solange, bis meine bessere Hälfte den Job verlor. Es dauerte nicht lange, bis er sich überregional auf Arbeitsstellen bewerben musste. Nach einiger Zeit fand er tatsächlich ein Unternehmen, das ihn einstellte. In 120 Kilometern Entfernung und befristet als Schwangerschaftsvertretung. Für mich brach damals eine halbe Welt zusammen. Der Anfang einer Fernbeziehung.

Bis heute ist es für uns nicht ganz nachvollziehbar, warum in einer Region, in welcher viele Industriebetriebe ansässig sind, keine jungen Fachkräfte mit akademischem Hintergrund und Berufserfahrung eingestellt werden und gleichzeitig über Überalterung und Fachkräftemangel geklagt wird.

Die erste Zeit war für uns wirklich hart. Damals war ich gerade in der schlimmsten Phase meiner Agoraphobie und Reiseangst, weshalb ich plötzlich lernen musste, viele Dinge im Alleingang zu meistern. Natürlich ist es nicht „normal“, mit Mitte zwanzig relativ unselbstständig zu sein. Allerdings leiden „normale“ Menschen auch nicht unter Panik, wenn sie mal mit dem Bus fahren müssen.

Mein Partner lebte sich in der neuen Firma schnell ein und leistete auch gute Arbeit, wie ihm immer wieder bescheinigt wurde. Am Ende des befristeten Vertrages war klar, dass er in einer sogar höheren Position übernommen wurde.

Nur die Nachmittage allein in seiner kleinen Bungalowhütte konnten gerade im Winter sehr lang werden – und werden es auch immer noch. Denn dass diese Firma noch ziemlich weit hinter dem Arsch der Welt liegt, lässt uns damals wie heute verzweifeln. Als Stadtmenschen, die wir es gewohnt sind, mal eben nett essen oder shoppen zu gehen oder einfach Dinge zu unternehmen, die man als Stadtmensch eben so tut, schauten wir ob des dörflichen Lebens ziemlich blöd aus der Wäsche.

Nach wie vor stellt sich also beim Gedanken an einen Umzug in die Region ein unwohler Gedanke ein – auch wenn wir interessehalber schon aktiv nach Wohnraum gesucht haben. Dieser ist allerdings ohnehin unverschämt überteuert, wie man es in vielen deutschen Gegenden derzeit kennt. Auf die Frage von Kollegen hin, wann wir denn nun endlich umziehen, haben wir also eigentlich nur noch verständnislose Blicke übrig.

So bleibt uns vorerst nur, das Beste aus der Situation zu machen.

Was ich aus unserer Fernbeziehung gelernt habe

Wie eingangs erwähnt, war ich plötzlich fünf Tage die Woche auf mich allein gestellt und fristete ein Strohwitwen-Dasein. Für jemanden mit akuter Angst und Panik nicht die leichteste Aufgabe. Dennoch bin ich nach und nach tatsächlich selbstständiger geworden. Viele vermeintliche Herausforderungen des täglichen Lebens entpuppten sich als Kleinkram, der mir fortan immer leichter fiel.

Dennoch muss das gemeinsame Leben trotz Fernbeziehung irgendwie organisiert werden – es stehen schließlich immer mal Termine an, die man zu Zweit erledigen muss. Oder eben, meinen Partner betreffend, unter der Woche am Wohnort. Da hieß es dann telefonieren und nervige Termine in die kostbare Urlaubszeit packen. In solchen Momenten bin ich froh, keine Kinder zu haben.

Es ist hinreichend bekannt, dass gerade in den neuen Bundesländern die Anzahl der Pendler steigt und immer mehr Menschen unter der Woche nicht bei ihren Familien sein können – liebe Behörden und Unternehmen, wann reagiert ihr darauf und macht Erledigungen leichter, indem ihr endlich dieses „Internet“ kennenlernt und benutzt, beziehungsweise am Wochenende erreichbar seid??

Mit der Zeit stellt sich also die Routine ein; man gewöhnt sich an die Tatsachen und richtet sich den Alltag entsprechend ein. Apropos Alltag – kurze Telefonate und Nachrichten den Tag über verteilt sorgen ganz stressfrei dafür, dass man immer noch Teil des Lebens seines Partners ist. Man muss nicht jeden Abend stundenlang am Telefon oder Skype & Co. Verbringen – jedenfalls wir müssen das nicht. Aber kleine, alltägliche Begebenheiten und „Erlebnisse“ halten die Beziehung lebendig. Und ja, manchmal schicken wir uns Fotos unserer gekochten Mahlzeiten, um den anderen möglichst neidisch zu machen 😉

Ein weiterer – und der vermutlich wichtigste – Aspekt ist das Treffen am Wochenende. Wir gestalten die Zeit möglichst aktiv und unternehmen viel. Ich sorge bereits in der Woche dafür, dass im Haushalt wenig anfällt und wir die Tage draußen verbringen können – zum Beispiel beim Geocaching.

Wanderungen und Ausflüge sind für uns die perfekte Art und Weise, sich auszutauschen und verlorene Zeit aufzuholen. Gemeinsames Kochen und Essen, später dann ein gesellschafts- oder PC-Spiel runden diese Tage ab. Natürlich fällt auch mal ein „Schatz, lass uns mal ’ne Wand streichen“ (oder „schau mal nach dem Siphon“) an, eben Dinge, die ‚frau‘ unter der Woche dann halt doch nicht alleine machen will oder kann.

Der eindeutige  Vorteil einer Fernbeziehung ist jedoch, dass man die gemeinsame Zeit viel mehr zu schätzen weiß und bewusst angeht, ohne sie zu vergeuden. Gar nicht mal so wenig Paare, die sich täglich sehen, leben laut eigener Aussage nebeneinander her. Die Selbstverständlichkeit eines täglichen Umgangs wird zur Routine, welche eben auch Gift für eine Partnerschaft sein kann.

Wichtig bei allem ist nur, in der zusammen verbrachten Zeit möglichst viel zu kommunizieren, sodass man sich gegenseitig nicht aus den Augen verliert.

Es kann wirklich wehtun, wenn man in schwierigen Momenten keine Partner zum Redem oder Umarmen hat. Das Bedürfnis nach Nähe leidet natürlich unter den Umständen, welche eine Fernbeziehung mit sich bringt. Vor allem in meiner akuten Angstzeit gab es immer wieder Tage und Nächte, in denen ich einen Partner an meiner Seite eigentlich gebraucht hätte. Leider beschränkte sich das in der Regel auf meinen Kater (an dieser Stelle: Danke an Miep Miep ;). Allerdings lernt man sich selbst in solchen Situationen von einer neuen Seite kennen. Und vielleicht lernt man auch, sich selbst etwas mehr zu vertrauen.

Die Voraussetzungen, um das Ganze bestmöglich meistern zu können, liegen also eigentlich auf der Hand: ehrliche Kommunikation und in jedem Fall auch: Treue und Vertrauen. Denn wenn beides nicht vorhanden ist, ist eine Fernbeziehung in meinen Augen zum Scheitern verurteilt.

Wenn die Bindung allerdings stark genug ist, dann kann man durchaus auch Vorteile aus den Lebensumständen ziehen. Und wer weiß – vielleicht geht doch irgendwann alles schneller als man denkt und kommt durch glückliche Zufälle wieder zu mehr Zweisamkeit.

 

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Wenn jemand geht.

„Die Katze, die man sich ins Leben holt, nimmt sofort dessen Mittelpunkt ein.“

Aba Assa

Liebe Rieke,

sehr, sehr früh, als du gerade wenige Wochen alt warst, kamst du in unser Leben. Niemand kannte dein genaues Geburtsdatum, aber du warst ein Frühlingskind, genau wie ich. Deine Mama wollte dich leider nicht. Aber wir wollten dich. Und da unser Katerchen bis dato allein bei uns lebte und bei nur einer Katze im Haus meistens noch ein passendes Gegenstück fehlt, durftest du bei uns einziehen. Anfangs gaben wir dir alle zwei Stunden dein Fläschchen, am Tag wie in der Nacht.

Unser Kater „Miep Miep“ hat dich auf der Stelle und ohne Schwierigkeiten adoptiert und war von jetzt an dein „Onkel“. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt gerade im Flegelalter war. Verstanden habt ihr euch immer gut, auch wenn es – meistens von dir – mal eins auf die Mütze gab. Denn du wurdest langsam aber sicher die Chefin bei uns, als du mit der Zeit heranwuchst. Auch wenn du nicht besonders groß warst.

Typisch für ein Flaschenkind warst du wahnsinnig kuschelig. Bei jeder Gelegenheit strecktest du uns dein Köpfchen entgegen und dann lief der zuverlässigste Motor der Welt. Wir sahen niemals eine Kralle oder hörten ein Fauchen von dir. Außer, als du mal in die Badewanne musstest, denn Wasser konntest du nicht ausstehen. 🙂

Andererseits steckte eine unstillbare Neugier in dir und du durftest nie etwas verpassen. Dein Lieblingsgeräusch war das Rascheln von Papier. Wir spürten förmlich deinen aufmerksamen Katzenblick im Nacken, jedes mal, wenn etwas zerknüllt wurde. Dann war auch dein Jagdtrieb geweckt. Du warst dabei aber nie unachtsam und sehr auf deine Umgebung bedacht.

Wir bedauern es im Nachhinein etwas, dass wir dir kein besseres Zuhause bieten konnten. Nicht, dass du es bei uns nicht gut hattest, aber du wärst, ganz im Gegensatz zu unserem Katerchen, draußen bestimmt noch glücklicher gewesen, obwohl du es nicht kanntest. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Wir hätten uns gewünscht, dass du noch mit uns umziehst und einige glückliche Jahre mit Terrasse und Garten verbringst. Es hat leider nicht sollen sein.

Dein freches Wesen. Deine verschmuste Art, wenn du Vertrauen gefasst hattest. Dein Schnattern, wenn du mal wieder Redebedarf hattest. Dein lautes, endlos langes Schnurren, das manchmal nur unter einem Berg von Bettdecken zu hören war. Deine Pfötchen, an denen du extrem kitzelig warst. Meine kleine perfekte Katze. Alles fehlt.

Wir mussten dich noch vor deinem elften Geburtstag gehen lassen, was unheimlich weh tut. Denn ich glaube, weder du noch wir wollten, dass du schon aufbrechen musst. Und auch nicht deine Plüschkuh „Pöbi“, die jetzt keine Massagen mehr von dir bekommt.

Ich hoffe, wir sehen uns mal wieder. Bis dahin gute Reise, meine Püppi!

 

In Liebe

„Mama“

 

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Agoraphobie – Leben mit der Angst

„Tu stets das, was du zu tun fürchtest“

– Ralph Waldo Emerson

Seit vielen Jahren habe ich einen ständigen Begleiter, den ich an dieser Stelle gerne vorstellen möchte. Er ist vielen Menschen mehr oder weniger bekannt, andere kennen ihn vielleicht gar nicht.

Es geht um die Angst. Angst ist eigentlich eine normale und gesunde Reaktion des Körpers, die uns in Gefahrensituationen schützen soll. In manchen Fällen allerdings ist das Verhältnis zur Angst gestört und sie wird zur Krankheit. So auch bei mir.

Die Angst nimmt ihren Lauf

Bereits im Kindesalter merkte ich, dass ich mich in manchen, vorzugsweise ungewohnten Situationen besonders unwohl fühlte. Das konnte ein Besuch bei Bekannten sein, Veranstaltungen wie Turniere, die über mehrere Tage gingen oder allgemein Reisen. An meine erste Panikattacke, von der damals niemand wusste, dass es überhaupt eine war, kann ich mich heute noch erinnern. Es war im Zug auf der Rückreise von einem Familienurlaub, also in einer eigentlich völlig entspannten Umgebung. Ich war nicht allein, Zugfahren war mir bestens vertraut. Doch plötzlich hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, ich fühlte mich wie „nicht wirklich anwesend“ und verstand die Welt nicht mehr. Meine Familie und die Zugbegleiterin versuchten mich zu beruhigen, was ihnen dann irgendwann auch gelang.

Erst viel später wusste ich, dass dies meine vermutlich erste Panikattacke war.

Woher die Neigung zu Angst und Panik kommt, weiß ich nicht. Es gab keinen wirklichen Auslöser, ich hatte eigentlich eine normale Kindheit, bin behütet aufgewachsen und hatte keine traumatisierenden Erlebnisse oder Einschnitte im Leben. Vielleicht ist sie einfach meine persönlich Prüfung.

Die Angst wurde in den kommenden Jahren immer präsenter in meinem Leben. Schon damals fing es damit an, dass ich nicht mit auf Klassenreisen oder generell in den Urlaub gehen wollte. Selbst die Reiterferien, die bis dato mein ein und alles waren, reizten mich irgendwann nicht mehr. Meine Eltern wollten das natürlich ändern und es gab auch weiterhin Familienurlaube. Aber irgendwann akzeptierten sie mein Verhalten wohl als Teil der Pubertät.

Mit dieser kamen bei mir allerdings weitere unspezifische Ängste dazu. Außerdem entwickelte sich eine Hypochondrie, die bis heute mein größter Feind ist.

Das Kind hat einen Namen: Agoraphobie

Heute weiß ich, dass ich unter Agoraphobie, also umgangssprachlich Platzangst, mit generalisierter Angststörung und eben der Hypochondrie leide. Ausprägungen, die mich am meisten beeinträchtigen, sind Depersonalisation und Derealisation. Das Gefühl der Unwirklichkeit, als würde man sein Leben als Film sehen oder träumen, belastet mich stark und löst Angst in mir aus, die sich bis zur Panik steigern kann. Besonders in Situationen, die von meinem Alltag abweichen und neu für mich sind, reagiere ich empfindlich und muss mich regelmäßig beruhigen.

Die generalisierte Angststörung ist fast jeden Tag präsent und begleitet mich in vielen Lebenslagen. Mittlerweile habe ich sie einigermaßen im Griff und weiß, dass Auslastung eine große Hilfe ist, um ihr entgegenzuwirken. Dennoch sind das ungute Gefühl im Bauch, schweißnasse Hände andere typische Symptome stets ein Teil von mir. Dazu gesellt sich die ständige Suche nach Symptomen am eigenen Körper, die auf eine schwere Krankheit hindeuten könnten und die Angst davor, jämmerlich daran zugrunde zu gehen.

Einige Jahre lang ging es mir so schlecht damit, dass ich meine Heimatstadt nicht mehr verlassen konnte. Ich bekam zwei mal kurz hintereinander eine Panikattacke auf der Autobahn und vermied seitdem das Autofahren. Auch als Beifahrerin. Meiner Beziehung und dem Verhältnis zu meiner Familie und der Familie meines damals noch Freundes tat der ganz Umstand natürlich nicht gut. Ich versuchte, Einladungen zu umgehen und sagte Verabredungen ab, damit ich meine vertraute Umgebung nicht verlassen musste. An Reisen und Ausflüge mit Übernachtungen war gar nicht mehr zu denken. Viel zu groß die Angst davor, auf der Reise krank zu werden, die Kontrolle zu verlieren und nicht schnell wieder nach Hause in meine geschützte Umgebung zu kommen. Auch die ein oder andere depressive Phase ließ angesichts dessen nicht lange auf sich warten.

Die Angst schränkt mich in meinem Leben stark ein. Ich bin ein neugieriger Mensch, der gerne etwas von der Welt sehen und anderen Kulturen erfahren möchte. Aber wie ist das möglich, wenn eine der größten Horrorvorstellungen die ist, ein Flugzeug zu betreten? Die Geräusche, die Enge, kein Entkommen, unbekannte Umgebung, unbekanntes Ziel.

Wie ich lerne, mit der Angst umzugehen

Irgendwann, nachdem ich einen Namen für meinen mittlerweile desolaten Geisteszustand gefunden hatte, wurde mir klar, dass ich damit nicht alleine auf der Welt bin. Langsam aber sicher beschloss ich, selbst etwas an den Umständen zu ändern, anstatt immer weiter zu versinken, um irgendwann das Haus nicht mehr verlassen zu können. Ich hatte einige Termine bei Psychologen und Psychiatern, die allerdings nur auf zwei Optionen hinausliefen: Klangschalentherapie und Räucherstäbchen oder Dauermediaktion mit Psychopharmaka. Ich war von beidem nicht wirklich überzeugt und beschloss vorerst, auf Hilfe dieser Art zu verzichten. Ein Notfallmedikament, welches mir an besonders schwierigen Tagen zur Seite steht, konnte mir auch mein Hausarzt verschreiben, der mir, im Gegensatz zu einigen der „Spezialisten“ auch mal zugehört hat.

Was mir persönlich sehr hilft, ist die Inspiration durch Menschen, für die Reisen und Lebensfreude das normalste der Welt sind. Ich schaue gerne Vlogs und Reiseberichte, widme mich vermehrt auch mal oberflächlichen Dingen (was ich früher nie getan habe) und versuche mir ins Bewusstsein zu rufen, dass ich mein Leben dazu nutzen möchte, um Neues zu entdecken, Erfahrungen zu sammeln und die Welt zu erleben. Denn mich beschleicht das Gefühl, dass mein Leben an mir vorbeizieht und ich alles verpasse, mir Chancen entgehen lasse. Inzwischen habe ich es geschafft, wieder Tagesausflüge zu unternehmen. Ich kann längere Strecken entspannt Auto fahren und auch mit dem Zug bin ich inzwischen wieder unterwegs – wenn auch nur Kurzstrecke. Mein Radius hat sich dennoch für meine Verhältnisse stark vergrößert. Ich habe gemerkt, dass der einzig richtige Weg der der Konfrontation ist, wenn auch der anstrengendste und vermutlich längste.

Ich möchte die Angst nicht mehr verstehen lernen, sondern ihr endlich in den Hintern treten. Meinen Alltag gestalte ich beispielsweise so, dass ich möglichst wenig Zeit zum Grübeln habe und mich körperlich und geistig auslaste. So halte ich schlechte Gedanken meistens in Schach.

Angst – etwas Besonderes?

Glaubt man einer Studie der Lakehead University (Kanada), so sind diejenigen unter uns, die sich stets Sorgen machen, intelligenter, als unsere sorgenfreien Zeitgenossen. Man vermutet, dass auch die sprachliche Gewandtheit bei stark ängstlichen Menschen positiv beeinflusst wird.

Die israelischen Forscher Tsachi Ein-Dor und Orgad Tal, vom Interdisciplinary Center Herzliya fanden zudem mit Hilfe von Experimenten heraus, dass ängstliche Menschen ihre Intelligenz besser nutzen können. Zudem sollen die Sinnesorgane bei Ängstlern durch die stete Alarmbereitschaft besser ausgeprägt sein.

Ob das auf mich und andere Agoraphobiker zutrifft, sei mal dahingestellt.

Ich persönlich bin allerdings davon überzeugt, dass uns eine Angststörung sensibler macht und zwar nicht nur in Bezug auf uns selbst, sondern auch auf unsere Mitmenschen. Menschenkenntnis und Empathie sind meinen Erfahrungen nach bei Menschen mit einer Angsterkrankung stärker ausgeprägt als bei gesunden Menschen.

Ich kann allen Betroffenen unter euch außerdem nur raten, mit eurer Angst vor die Tür zu gehen. Bleibt damit nicht alleine und schämt euch nicht, euch eurer Umwelt anzuvertrauen. Psychische Erkrankungen sind keine Seltenheit mehr. Auch professionelle Hilfe kann nutzbringend sein, ob mit oder ohne medikamentöser Unterstützung. Sucht euch Menschen, denen es genauso geht, zum Beispiel in Online-Foren oder Selbsthilfegruppen. Gerne könnt ihr auch mir schreiben, wenn ihr einen ähnlichen Krankheitsverlauf oder Fragen habt.

Gebt nicht auf!

Links:

Selbsthilfeforum psychic.de

Online-Beratung der Caritas

 

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Me Time – Zeit für mich

„Ruhe zieht das Leben an, Unruhe verscheucht es.“

– Gottfried Keller

Der Begriff „Me Time“ geistert nicht erst seit kurzem durch’s Netz. Insbesondere Lifestyle-Magazine und Blogger haben ihn gesellschaftsfähig gemacht. Ich bin vom Grundsatz her zwar kein Gegner von Anglizismen, aber dennoch stellt sich mir die Frage: Gibt es eigentlich ein deutsches Pendant? Wenn jemand Vorschläge hat – immer her damit! Ich bleibe dabei, von „Zeit für mich“ zu sprechen, da diese Worte einfach unbesetzt sind und ausschließlich das ausdrücken, was sie bedeuten.

Viele von uns vergessen im Alltag oft, dass unser Dasein nicht ausschließlich aus der Interaktion mit unserer Umwelt besteht. Ob Job, Familie oder beides – ein Ausbrechen aus unserem Alltagsraster ist manchmal schwierig bis gänzlich unmöglich. Aber warum ist das so? Warum haben wir mitunter verlernt, mit uns alleine zu sein? Macht uns das Angst? Oder haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir für einige Minuten oder Stunden unsere Pflichten vernachlässigen?

Für mich ist die Zeit alleine sehr wichtig geworden. Und damit meine ich freie Zeit. Zeit, um den Kopf frei zu bekommen, Gedanken zu ordnen und Kraft zu tanken. Wie ich sie verbringe, ist dabei sehr unterschiedlich.

Meistens gehe ich täglich etwas zwei Stunden zu Fuß. Ich nutze die Wege, die ich zu erledigen habe somit effektiv für Zerstreuung und auch Inspiration. Ich beobachte Menschen, höre Musik, fühle die Jahreszeiten. Das ist nicht nur erholsam, sondern gibt auch Kraft für neue Aufgaben und hält natürlich auch fit.

Ganz klar darf manchmal auch das ganz klassische „Mädchen“-Programm nicht fehlen. Oder muss ich erwähnen, wie heilsam und wohltuend ein heißes Bad ist?

Mein Lieblingsort und mein Lieblings-Badekram.

Manchmal klatsche ich mir auch eine Erdbeer-, Schoko- oder Grünalgen-Maske ins Gesicht und bilde mir ein, sie würde meine Gesichtshaut positiv beeinflussen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber es macht Spaß.  Anmerkung: Überraschung – auch Männer dürfen baden! „Mädchen“-Programm bezieht sich dann doch eher auf den Teil mit der Erdbeermaske. Oder auch nicht. Also an alle Herren: Ja, ihr dürft auch Erdbeermasken verwenden. Politische Korrektheit wieder hergestellt.

Überhaupt lässt es sich beim Duschen und Baden mit dem vollen Programm (was auch immer für euch dazu gehört) wunderbar nachdenken. Für diese Zeit sollte man die Tür vom Badezimmer einfach schließen und nach einer Rundumerneuerung kann man der bösen Welt da draußen wieder die Stirn bieten.

Wenn ich allerdings zu Hause richtig entspannen möchte, muss meine Umgebung aufgeräumt und sauber sein. Für mich heißt das, dass Wellness bei mir dann anfängt, wenn ich den Wischmopp in die Ecke stelle. Eine aufgeräumte Wohnung sorgt für einen aufgeräumten Kopf. Chaos und Unordnung lässt mich auch innerlich nicht zur Ruhe kommen.

Nicht ganz unwichtig ist, wie wahrscheinlich in fast jeder Lebenslage, natürlich das leibliche Wohl. Je nach Lust und Laune entscheide ich mich dabei meistens für eine Tasse (oder besser Kanne) Tee. Verschiedene Kräutertees können dabei helfen, zu entspannen oder schenken neue Energie. Manchmal darf es aber auch ein anregendes Glas Sekt oder ein entspannendes Glas Wein sein. Je nach „Kacke-Grad“ des Tages könnt ihr natürlich auch die Flasche nehmen. Aber bitte nicht jeden Tag. Das wird sonst zum Problem. 😀

Nicht zuletzt kann man beim Kochen perfekt abschalten, sofern man es gelernt hat. Also das Abschalten, nicht das Kochen. Ihr könnt bestimmt auch mit Pudding eure innere Mitte finden. Oder gerade mit Pudding? 😉 . Auch „Schnippeln“ hat eine meditative Wirkung.

„Ich kann wunderbar für einige Zeit in einer Tasse Tee versinken.“

Aber auch völlig ohne Tamtam und mit wenig Zeitaufwand lassen sich die Gedanken ordnen. Sucht euch einfach einen Platz mit Blick auf den Himmel und einen Baum und verharrt einige Minuten. Egal, bei welchem Wetter und egal, was an diesem Tag noch alles ansteht. Ich will euch nichts von Mediation erzählen (einfach weil ich mich nicht wirklich damit auseinandersetze) oder irgendein abgefahrenes bewusstsein-erweiterndes Mega-Erlebnis versprechen. Aber einerseits wird das allgemeine Stresslevel gesenkt und andererseits auch die Selbstreflexion angeregt. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass, wenn jeder Mensch sich täglich für ein paar Minuten seinen Baum ansehen würde, die Welt ein kleines bisschen besser wäre.

Entspannt euch für einen Moment!

Links:

Ein toller Blogartikel über Ordnung und Organisation von healthandthecity

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Sport und Fitness nebenbei?

„Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein.“

– Bertholt Brecht

 

Sport hat in meinem Leben schon immer eine Rolle gespielt. Ich war ein sportliches und aktives Kind, das sich gerne bewegt hat. Am Nachmittag fand man mich entweder draußen oder im Sportverein. Damals habe ich leidenschaftlich gern Volleyball gespielt.

Wie so viele andere auch, war ich völlig vernarrt in den Anime „Mila Superstar“.  Und auch ohne die Saltoannahme jemals zu beherrschen, bin ich dem Sport einige Jahre treu geblieben ;-).

In der Pubertät hat sich das dann leider geändert – ich hatte einige Jahre der sportlichen Abstinenz und langsam aber sicher fand ich auch den Schulsport blöd.

Mir ist bis heute nicht klar, weshalb man ein Unterrichtsfach, in dem man Kinder und Jugendliche nicht vergleichen kann und das eigentlich Spaß bringen sowie zu Bewegung und Sport motivieren soll, bewertet.

Mittlerweile bin ich dann doch schon fast ein Jahrzehnt aus der Pubertät raus und habe meine Bewegungsfreude wiederentdeckt. Allerdings möchte möchte ich weder feste Termine, irgendwelche Abos oder andere Dinge, die mir ein schlechtes Gewissen bereiten, wenn ich nicht diszipliniert genug bin. Die Disziplin muss in mir selbst entstehen und die versteckt sich ganz schnell hinter dem Schweinehund, wenn ich gemeinsam mit durchtrainierten Superkörpern Sport machen soll. Oookay, Schwimmen, Eislaufen, ab und an mal die alten Inlineskates rauskramen… Das sind Dinge, die mir auch heute noch Spaß machen, aber auch nur deshalb, weil ich sie nicht regelmäßig machen muss.

Also habe ich für mich einen Mittelweg gesucht und gefunden – und erledige seit knapp zwei Jahren so gut wie alles zu Fuß. Von öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich ohnehin seit Jahren angenervt. Überfüllung, der Kampf zwischen Kinderwagen und Rollatoren und die Fähigkeit mancher Menschen, ihren strengen Körpergeruch konsequent zu ignorieren, sind nur ein paar der Gründe, weshalb ich auf Bus & Co. Verzichte. Da meine bessere Hälfte etwa 200 km von unserem Heimatort arbeitet und somit pendeln muss, habe ich unter der Woche auch kein Auto zur Verfügung.

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Was bleibt sind also die eigenen Beine. Die tragen mich momentan täglich (bevor jemand fragt: Ja, bei jedem Wetter) etwa zwischen fünf und zwölf Kilometer, mal mehr, mal weniger. Im Schnitt bin ich zwei bis drei Stunden unterwegs und komme auch ordentlich in Schwitzen. Die Strecke variiert, je nachdem was erledigt werden muss. Das tolle an meiner Heimatstadt ist, dass man sie fast ausschließlich auf Fußwegen im Grünen und über Parks durchqueren kann. Wenn man also nicht will, muss man nicht an großen Hauptverkehrsadern entlang laufen.  Ein kleines Workout, wenn ich dann gut warmgelaufen bin, ist ab und an natürlich auch noch drin.

Dass ich mir diese Zeit nehme und das Programm fest in den Alltag integriert habe, tut nicht nur dem Körper gut, sondern auch dem Kopf. Auf dem Weg bleibt eine Menge Zeit zum Nachdenken. Oder Musik hören. Mal ehrlich, wer nimmt sich die Zeit die er für sich braucht schon? Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er das braucht, will und auch kann. Aber seit ich offiziell Fußgänger bin, weiß ich, was mir vorher gefehlt hat. Manche empfinden die Zeitinvestition sicher als Luxus, andere als pure Zeitverschwendung. Für mich ist es die perfekte Art und Weise, „Me-Time“ mit Bewegung und dem Alltagsleben zu verbinden.

Lauft doch auch einfach mal!

Meine liebsten Begleiter in Sachen Schuhwerk: Nike Free Flyknit

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Plus Size & me

„Wenn ihnen jemand aus der Küche entgegenkommt, ein Stück Knäckebrot in der erhobenen Hand schüttelt und ruft: „Nur ein Knäckebrot! Nur ein Knäckebrot!“, dann könnte dieser jemand eventuell Gewichtsprobleme haben.“

– Wolfgang J. Reus

 

Der Begriff Plus Size ist in den letzten Jahren immer mehr in Mode gekommen. Es gibt Plus Size Modeabteilungen, Plus Size Models, Plus Size Commercials und jede Menge medialen Rummel um das ganze Thema.

Plus Size

Richtig verwendet ist Plus Size eine hippe Umschreibung für Übergewicht. Wobei in der High-Fashion-Szene ja oftmals schon bei einer Kleidergröße 38/40 von Plus Size gesprochen wird.

Daraufhin machen sich alle verrückt. Die Dünnen hacken auf den Dicken rum, die Dicken auf den Dünnen, manche als dick deklarierte Menschen sind es gar nicht, dafür sind angeblich Normalgewichtige viel zu dünn und niemand ist zufrieden mit sich selbst und lässt es an allen anderen aus.

Gerade bei Mädchen und Frauen ist dieses Thema ein Fass ohne Boden. Deshalb habe ich für mich beschlossen, dabei einfach nicht mehr mitzumachen. Nö. Diese Diskussion könnt ihr behalten, brauche ich nicht.
Denn es ist einfach weder gesund noch dem eigenen Wohlbefinden zuträglich, sich ständig darüber Gedanken zu machen, wie man auf andere wirkt.

Es gibt für mich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich bin zufrieden oder ich bin es nicht.

Dass Kleidergrößen einzig und allein dem Zweck dienen, Menschen zu verwirren und zu verunsichern, dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein. Okay, dass die Geschäfte von Zahlen abhängig machen, ob Menschen bei ihnen einkaufen dürfen oder nicht, grenzt ganz klar an Diskriminierung.

Plus Size

Und damit meine ich nicht stark adipöse und krankhaft übergewichtige Menschen, die dringend etwas an ihrem Lebensstil ändern sollten, damit dieser nicht zum „Todesstil“ wird. Sondern die viel besagten aber immer noch nur grenzwertig akzeptierten Kurven. Mögen manche, andere nicht, sind aber alles andere als unnatürlich oder eben „fett“.

Jetzt kommt wieder das „Uäääh, die bösen, bösen Medien“-Gequatsche. Aber mal ehrlich, es stimmt doch. Die Werbe- und Modeindustrie vergisst ganz oft, dass in der großen, weiten Welt Menschen Leben. Und die sind – kaum zu glauben – verschieden. Auch wenn dieser Fakt gerne mal unter den Teppich gekehrt wird, so ist das kein Grund, um an sich selbst zu verzweifeln. Wenn euch selbst etwas nicht passt, eure Gesundheit einschränkt oder ihr euch unwohl fühlt, dann ändert etwas. Aber ändert es nicht, weil es andere euch vorschreiben wollen.

Ich persönlich halte es so, dass ich mir nichts verbiete. Klar bin ich nicht immer zufrieden. Es gibt Tage, an denen mein Spiegelbild mir böse Blicke zuwirft und mir in aller Deutlichkeit mitteilt, was es von mir hält (klingt das schizophren…?). Aber ich bin mir sehr sicher, dass das nicht einzig am Körpergewicht liegt, sondern immer ein Zusammenspiel aus allen möglichen Befindlichkeiten ist. Und hey, ich bin sportlich und kann kochen. Und Bierkästen in den dritten Stock tragen. Ist das etwa keine Traumkombination? 😉

Bleibt euch treu!

Plus Size