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 Herbst in Mitteldeutschland

„Der November ist dagegen,
wenn sich wegen Nieselregen
nicht einmal die Wiesel regen.“

 – Klaus Klages

Unverkennbar ist er eingezogen, der Herbst. Seit einigen Wochen bestimmen bunte Blätter und morgendlicher Nebel das Landschaftsbild. Die Tage werden merklich kürzer und die Luft kühl. Nicht jeder freut sich über den Jahreszeitenwechsel. Die Dunkelheit, schniefende Leute in Bus und Bahn, trockene Heizungsluft und die „drohende“ Adventszeit setzen mir zumindest ziemlich zu. Ich vermisse die Sonne, jawohl. Zwar schätze ich auch dann und wann die Gemütlichkeit in der kalten Jahreszeit, aber wenn ich nicht so aktiv sein kann wie im Sommer, geht für mich ein großes Stück Lebensqualität verloren.

Ein bisschen Herbst-Blues ist zwar erlaubt, völlig hingeben sollte man sich der trüben Stimmung allerdings nicht. Deswegen nun hier meine Inspirationen für einen erträglicheren Herbst – nicht nur in der Region Mitteldeutschland.

Am Geiseltalsee

Die Toskana Therme Bad Sulza

Was gibt es Schöneres, als bei Schmuddelwetter Zuflucht in einer Therme zu suchen? Für mich nicht viel. In Bad Sulza steht eine der meiner Meinung nach schönsten Thermen Mitteldeutschlands. Im wohltemperierten Wasser kann man die Seele für ein paar Stunden baumeln lassen. Die Besonderheit: Es gibt nahezu im gesamten Bad Musik unter Wasser. Durch den Salzgehalt des Wassers kann man sich nahezu schwerelos einfach treiben lassen und entspannenden Klängen lauschen. Besonders der Außenbereich des Bades ist wunderbar angelegt – der Ausblick in die Natur des umliegenden Thüringer Waldes ist gerade im Herbst einfach unvergleichlich.

Das absolute Highlight bildet allerdings die Kuppelhalle, die abgeschottet vom Rest der Therme (und dem Rest der Welt) absolute Ruhe bietet. Auch hier heißt es – Ohren unter die Wasseroberfläche und die Zeit vergessen.

Übrigens: Wenn Vollmond ist, wird die Kuppelhalle geöffnet. So bekommt man in stimmungsvoller Atmosphäre einen atemberaubenden Blick in den Nachthimmel.

Für uns ist ein Tag in der Therme wie ein Kurzurlaub, nach dem wir völlig entspannt und erholt nach Hause fahren.

Link zur Therme

Wein- und Winzerfest in Freyburg an der Unstrut

Wer guten deutschen Wein zu schätzen weiß, der kommt mittlerweile am Anbaugebiet Saale-Unstrut nicht mehr vorbei. Stellvertretend für die Region möchte ich auf das Städtchen Freyburg aufmerksam machen. Malerisch gelegen präsentiert sich Freyburg als Hochburg der Weinanbaugebiete in der Umgebung.

Freyburg

Hier lohnt sich zwar das gesamte Jahr über ein Besuch, allerdings findet hier jährlich am zweiten Septemberwochenende das Winzerfest statt. Für dieses Wochenende ist das gesamte, sonst eher verträumte, mittelalterliche Örtchen auf den Beinen. Auf dem Freyburger Marktplatz stellt das Saale-Unstrut Weindorf eine beliebte Anlaufstelle nicht nur für Kenner und Liebhaber dar. Aber auch auf den umliegenden Festplätzen finden zahlreiche Veranstaltungen statt – natürlich dürfen die Krönung der Weinkönigin und ein zünftiger Festumzug nicht fehlen.

Wer auf den Volksfestcharakter eines solchen Wochenendes lieber verzichten möchte, dem möchte ich dennoch einen Besuch in Freyburg und Umgebung im Herbst ans Herz legen – dann eben um ein paar Tage verschoben.

Die Rudelsburg bei Bad Kösen

Stadt Freyburg an der Unstrut

Bauern- und Erntemärkte

Regionale Produkte sind endlich wieder gefragt! Das freut nicht nur mich, sondern auch Erzeuger, Tiere und Umwelt. Wer das genauso sieht, der sollte einfach die Augen nach Bauern- und Erntemärkten in der Umgebung offen halten. Wir waren sehr positiv überrascht, als wir eher durch Zufall den Bauernmarkt in Halle an der Saale besuchten. Es gab eine beträchtliche Auswahl an Produkten aus der Region. Zu oft gerät leider in Vergessenheit, wie vielfältig saisonale und regionale Produkte sein können – wenn in modernen deutschen Haushalten überhaupt noch gekocht wird. Bei uns zu Hause wird es das jedenfalls und gerade angesichts der extrem eingeschränkten Produktvielfalt in den typischen Discountern freue ich mich sehr über ein paar Inspirationen und vor allem auch Adressen, an die man sich wenden kann, wenn man Interesse an entsprechenden Lebensmitteln und Ernährung im Allgemeinen hat. Die Stimmung war zudem wirklich angenehm, die Musikauswahl passend und stimmungsvoll. Ein gelungener Herbstnachmittag, der die Hoffnung hinterlässt, dass wir uns nur ein kleines bisschen mehr auf die Ursprünge und ein bisschen weniger auf die Industrie konzentrieren.

Auf dem Bauernmarkt in Halle

Geh mal in die Pilze!

Apropos zurück zu den Ursprüngen – wir als Geocacher sind es ja gewohnt, zu jeder Jahreszeit durch Wald und Flur zu stapfen und dabei… nach Dingen zu suchen. Im Herbst kann man sich dabei perfekt unter die Pilzsammler mischen und fällt dahingehend schon einmal etwas weniger auf. Und da Bewegung an der frischen Luft ohnehin nie verkehrt sein kann, sollte man sich ruhig mal nach Pilzen umsehen.

Gerade der Harz, das Harzvorland oder auch der Thüringer Wald sind prädestiniert für den motivierten Pilzsammler. Da mittlerweile aber jeder wissen sollte, dass es unangenehm werden kann, wenn man rote Pilze mit weißen Flecken isst, ist Vorsicht hier natürlich die Mutter der Porzellankiste! Besonders wenn man, so wie wir, keine Ahnung hat, was später auf den Teller darf und was besser nicht. Deshalb gibt es überall im Land verteilt Pilzberatungsstellen, die man nicht scheuen sollte, aufzusuchen, wenn man sein Körbchen gefüllt hat.

Haben wir nicht gegessen…

Zu guter Letzt: Scheue den Regen nicht!

In Vorbereitung auf die nasskalten „Bäh-Tage“ sollten wir ein wenig auf unser Immunsystem achten. Also nutze ich nicht nur die schönen Herbsttage für Ausflüge und Unternehmungen, sondern auch die Regentage. Gerade an diesen sind deutlich weniger Menschen unterwegs, was die Natur (und nicht nur die) noch schöner macht. Die Geräusche, die Luft und die ganze Stimmung sind einfach nur entspannend und auch ein bisschen romantisch. Gummistiefel und eine ordentliche Regenjacke sind zwei meiner liebsten Begleiter und ja, es kann auch im Erwachsenenalter einen Heidenspaß machen, wenn man einfach mal nass und dreckig nach Hause kommt, um anschließend in die Wanne zu hüpfen.

In diesem Sinne – aktiv durch den Herbst!

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Eine Agoraphobikerin auf Reisen

„Dann lass uns doch mitfahren!“ Ein Satz, den ich lange bereut habe und der mir schlussendlich doch so geholfen hat.

Der Anfang

Als mein Vater Mitte des Jahres verkündete, er wolle seinen Jahresurlaub diesmal an der Ostseeküste verbringen, befand ich mich gerade in einem Höhenflug. Denn einige Tage vorher hatte ich einen Kurztrip zu meiner Schwester hinter mir, der für mich im Nachhinein ein Schlüsselerlebnis war.

Über sieben Jahre lang hatte ich es nicht geschafft, außerhalb von zu Hause zu übernachten, an eine Reise war nicht zu denken. Gerade vor einigen Monaten hatte ich wieder meine ersten längeren Autofahrten absolviert, nachdem ich einige Jahre lang meine Heimaststadt nicht ohne Panikattacken verlassen konnte. Ich hatte mich, wie viele andere Ängstler auch, erfolgreich von meiner Angst einsperren lassen.

Irgendwann beschloss ich für mich, dass dies ein Ende haben muss und überwand mich zu der Fahrt ins etwa 400 Kilometer entfernte Ungewisse. Zwei Tage und zwei Nächte, die ich mit dem Gedanken, wirksame Medikamente und meine vertrautesten Menschen bei mir zu haben, überstand, ohne von ersterem Gebrauch machen zu müssen.

Wieder zu Hause angekommen, bekam ich plötzlich ein völlig neues Gefühl für meine Krankheit, beziehungsweise für einen Weg, diese endlich in den Hintern treten zu können. Mir öffneten sich Türen, von denen ich mir eigentlich sicher war, dass sie immer für mich verschlossen bleiben würden. Als mein Vater meiner besseren Hälfte und mir also anbot, ihn in den Urlaub zu begleiten, wurde ich übermütig und sagte zu.

Naturstrand Rügen

Die Vorbereitungen

Warum bist du so blöd gewesen und hast da zugesagt?!“

Diese Gedanken gingen mir fortan stets und ständig durch den Kopf. Ich war felsenfest der Überzeugung, zu vorschnell gewesen zu sein. Zumal mein Vater zu den Menschen gehört, für den psychische Erkrankungen nicht wirklich existieren und alsbald Nägeln mit Köpfen machte. Er mietete eine Ferienwohnung und prompt gab es kein Zurück mehr. Kein Zurück mehr – eine Tatsache, die mir in den nächsten Wochen den letzten Nerv raubte.

Bei dem Gedanken, eine ganze Woche sehr weit weg von meiner vertrauten Umgebung zu sein, kamen in mir sämtliche Ängste hoch. Die Angst vor der Derealisation und der Steigerung in die Panik, davor, krank zu werden, nicht schlafen zu können und davor, nicht schnell genug nach Hause zu kommen, wenn irgendetwas passieren sollte. Teilweise wachte ich morgens auf und war mir sicher, an diesem Tag eine Ausrede zu finden, weshalb ich nicht mitfahren könne.

Diese Wochen waren voller geheimer Tränen, schlaflosen Nächten und einfach nur Angst. Aber welcher gesunde Mensch versteht es schon, dass sich jemand vor einer Reise fürchtet? Mein Vater und meine bessere Hälfte wären zudem fürchterlich enttäuscht gewesen, hätte ich einen Rückzieher gemacht, denn eines darf man nicht vergessen: Mein Mann hat in den letzten Jahren ohne Zweifel mit mir mitgelitten. Er hat mich immer unterstützt, mich versucht zu verstehen und mich nie zu etwas gezwungen – und damit natürlich auch für seinen Teil auf Unternehmungen und Reisen verzichtet. Ihm zuliebe habe ich mich dann immer wieder aufgerappelt und irgendwie funktioniert, damit wir einen stressfreien Start in den Urlaub haben konnten.

Stralsunder Hafen

Was mir geholfen hat

Unverzichtbar war es für mich, ein Gefühl von Sicherheit durch Organisation zu haben. Ich schrieb Packlisten, besorgte mir BackUps aus Drogerie und Apotheke, kümmerte mich um ein Feriendomizil für unsere beiden Fellmonster und wollte einfach auf alles vorbereitet sein. Das schlug sich zwar in der Größe meiner Gepäckstücke nieder, aber hey – ich war immerhin die einzige von uns Dreien, die auf das schmuddelige Herbstwetter eingestellt war, das uns erwarten sollte.

Für den Hypochonder in mir war es zudem wichtig, bestimmte Symptome abklären zu lassen, damit ich mir während des Urlaubs nicht allzu viele Gedanken über „Aidskrebs“, „Thrombosenentzündungen“ oder „Ohrläppchenvereiterungen“ machen muss. Hat nur bedingt geholfen, aber immerhin hat mein Hausarzt mir zugehört, mir noch einmal erklärt, dass Psychopharmaka im Paniknotfall absolut vertretbar sind und dann schönen Urlaub gewünscht. Er hätte auch gerne welchen.

Ich wollte ihm anbieten, an meiner Stelle zu fahren, aber es keimten leichte Zweifel in mir auf, ob mein Mann und mein Vater dies für eine gute Idee hielten.

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Apropos Reisebegleitung: Meiner Erfahrung nach ist es extrem wichtig, jemanden bei sich zu haben, dem man sein vollstes Vertrauen schenkt. Es wäre für mich nach wie vor (noch) keine Option, mit nur Bekannten oder gar alleine zu reisen. Begleiter sollten euch unterstützen und wissen, wie sie mit euch umgehen können. Nur so erlangt man größtmögliche Sicherheit, die für das Wohlbefinden eine große Rolle spielt.

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Ebenfalls geholfen hat mir die weitestgehend anonyme Kommunikation über Betroffenenforen im Netz. Ich hatte vor und während des Urlaubs besonders dann, wenn ich richtig schlechte Momente hatte, Kontakt zu Anderen, die Ähnliches erlebt haben oder die das eigene Gefühlschaos nachvollziehen können. Das half und spendete Trost.

Ebenfalls von Belang war die Tatsache, dass ich nicht gezwungen wurde, an einen Ort zu fahren, der mir persönlich nicht gefällt oder mich nicht interessiert. Vor allem aber auch die Unterkunft musste passen. In unserer Ferienwohnung fühlte ich mich persönlich sehr wohl. Alles war sauber, gepflegt und modern. Hierher kam man am Abend gerne zurück. Damit das Feriendomizil keine böse Überraschung wird, sollte man im Vorfeld also gut recherchieren.

Seebad Binz

Die Reise

Nach einem Heulkrampf an einem schönen, aber viel zu frühen Septembermorgen gab es dann wirklich kein Zurück mehr. Ich saß tatsächlich im Auto auf dem Weg zu einem etwa sieben Stunden entfernten Reiseziel, an dem ich eine ganze Woche verbringen sollte. Mir war es wirklich mulmig zumute, ich hatte keinen Appetit und war fürchterlich aufgeregt.

Von der Rückbank vernahm man nur ein permanentes Rascheln stets ertönte die Frage: „Will jemand was?“. Anscheinend betraf das Ding mit der Appetitlosigkeit meinen Vater nicht. Die Fahrt verlief aber ohne Komplikationen, sogar ein Stau, der für Agoraphobiker in erster Linie „keine Fluchtmöglichkeit“ bedeutet, konnte mir nichts anhaben.

Die Ankunft war natürlich erstmal seltsam, da natürlich alles neu und fremd war. Dieses Gefühl, nicht völlig sicher in seiner Umgebung zu sein, ist alles Andere als angenehm, aber geht vorbei.

Insgesamt kann ich für die gesamte Reise erstaunlicherweise berichten: Es ist NICHTS von dem passiert, was ich zuvor befürchtet hatte.

Es gab Durchhänger, besonders in den ersten Tagen, wo ich am liebsten meinen Koffer gepackt und per Zug (und das will was heißen) alleine die Heimreise angetreten hätte. Derealisationszustände konnte mit Ablenkung gut abschütteln, sodass sie nicht in Panik gipfelten. Die Nächte überstand ich überraschender Weise ebenfalls gut, was einerseits an der gepflegten und gemütlichen Umgebung, andererseits aber auch an den Einschlafhelferlein (Baldrian; Schlafsterne) lag. Vielleicht aber auch einfach nur daran, dass wir tagsüber ausschließlich unterwegs waren, mein Vater uns jeden Morgen pünktlich um acht Uhr weckte (auf den alten Herrn ist sogar im Urlaub verlass, jawohl!) und ich am Abend schlichtweg ausgelastet und positiv k.o. war.

Silbermöwe

Hinterher

Das Gefühl, nach so vielen Jahren eine komplette Reise angetreten zu sein, ist unbeschreiblich. Es macht frei und eröffnet so viele Möglichkeiten und Wünsche. Letztes Jahr um diese Zeit war es für mich unvorstellbar, auch nur eine Nacht woanders als in meinem eigenen Bett zu verbringen. Jetzt bin ich vorsichtig optimistisch für einen allerersten, kurzen Flug im nächsten Jahr. Auch wenn ich weiß, dass ich wieder mindestens genau viel Angst davor haben werde. Und auch wenn ich mich zu Hause und in meiner vertrauten Umgebung nach wie vor sehr wohl fühle. Es ist nicht das einzige, was ich mein Leben lang sehen möchte.

Zusammenfassung:

  • Ihr könnt auch ohne Therapie und Medikamente an euch arbeiten und viel erreichen! Scheut euch aber nicht davor, Hilfe auszuprobieren und in Anspruch zu nehmen.
  • Fahrt nicht irgendwohin, sondern nur dahin, wo ihr auch wirklich aus freien Stücken hin wollt! Macht das, was euch interessiert und lasst euch von Anderen inspirieren. Wie wäre es zum Beispiel mit Reisebloggern? Mir hat vor allem auch YouTube dabei geholfen, wieder den Wunsch zu entwickeln, über den eigenen Tellerrand zu schauen.
  • Nehmt Menschen mit, denen ihr vertraut und die euch kennen.
  • Fangt klein an! Kleine Schritte und Erfolgserlebnisse sind wichtig.
  • Organisiert euch gut und behaltet den Überblick, damit ihr euch sicherer fühlt (Listen führen, Pläne machen).

Traut euch!

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Schönes Mitteldeutschland – Stangeroda

„Wo die Natur aufhört, fängt der Unsinn an.“

– Sprichwort

Soviel ist sicher: Mitteldeutschland hat mehr zu bieten als Industrieruinen und lustige Dialekte. Manchmal lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen, damit man auch die kleinen Perlen nicht übersieht. Eine davon möchte ich hier gerne vorstellen: Das Örtchen Stangerode. Das 350 – pardon, 351 – Seelendorf in Sachsen-Anhalt ist definitiv einen Ausflug wert. Eingebettet in die wunderschöne Landschaft und Natur des Harzvorlandes lassen sich hier einige ruhige Stunden oder auch Tage verbringen.

Unser Tag war deshalb schon entspannt, da man im gesamten Dorf absolut keine Internetverbindung hat.

Wer als Übernachtungsgast bleiben möchte, der ist im Reit- und Sporthotel Nordmann in Stangerode bestens aufgehoben. Urgemütliche Design-Themenzimmer mit modernen Standards, eine große Spa- und Wellness-Badelandschaft und zahlreiche Freizeitaktivitäten (indoor & outdoor) lassen auf Garantie den Alltag vergessen.

Wir entschieden uns zunächst für einen Tagesausflug und haben den zum Hotel gehörigen Wildpark, das umliegende Gelände inklusive der größten Bisonherde Europas und den Harzer Kräuterstieg besichtigt.

Der Wildpark umfasst etwas 300 Hektar. Die Tiere werden artgerecht in großzügigen und gepflegten Gehegen gehalten, sodass man sie fast wie in freier Natur erleben kann. Zwischen den einzelnen Umzäunungen haben wirdann sogar tatsächlich wilde Zaungäste beobachten können, wie sie frecherweise von den regelmäßigen Futterlieferungen an die Kumpels „hinter Gittern“ profitieren.

Unweit des Tierparks liegt der Harzer Kräuterstieg, ein idyllisch angelegter Blumen- Kräuter- und Gemüsegarten. Viele alte und neue Gewürzpflanzen verströmen ihren Duft und das ein oder andere „Aha-Erlebnis“ gibt’s auch noch dazu. Hier kann man sich einfach mal durchschnuppern und bestaunen, wofür und wogegen die Natur sich nicht alles etwas ausgedacht hat. Manchmal fragt man sich allerdings auch, warum zum Henker manche Menschen bestimmte Dinge überhaupt ausprobiert haben…

Von den Betreibern werden übrigens auch Kurse angeboten, wie beispielsweise Seifenherstellung oder gemeinschaftliches Kochen. Eine, wie ich finde, tolle Geschenkidee nicht nur für Naturliebhaber.

Links:

Hotel Nordmann

Harzer Kräuterstieg

Fahrt mal raus!

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Der Urlaub vor der Haustür – Seenland Mitteldeutschland

„Wer die Heimatberge nicht liebt, kann auch fremde Täler nicht lieben.“

– Aus dem Kaukasus

Für viele, die nicht aus der Gegend stammen, sind Mittel- und Ostdeutschland noch immer graue, dreckige Industrieruinen, flaches Brachland und schäbige, marode Kleinstädte. Als Menschen die wir hier zu Hause sind, wissen wir es besser.

Seit Anfang Neunziger Jahre liegt der Braunkohleabbau in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordthüringen zum größten Teil auf Eis. Inzwischen sind die meisten der ehemaligen Tagebaue sehenswerte Orte, Naherholungsgebiete, zurückerobert von der Natur. Mittlerweile spricht man deshalb vom Mitteldeutschen oder auch Sächsischen Seenland, welches eines der größten Seengebiete Deutschlands werden wird.

Der Geiseltalsee im Süden von Sachsen Anhalt trägt bereits den Titel des größten künstlich angelegten Sees deutschlandweit.

Wir nutzen oft die Gelegenheit und erkunden die völlig neu entstandenen Landschaften. Nicht nur als Geocacher kommt man voll auf seine Kosten. Auch wer einfach einen entspannten Kurzurlaub verleben möchte, darf Mitteldeutschland endlich mit in seine Reisepläne einbeziehen.

Cospudener See

„Mittel- und Ostdeutschland hat zusätzlich zu seinem kulturellen Stellenwert einen wahnsinnigen Sprung in Sachen Erholung und Freizeit gemacht!“

Cospudener See

Ein fast schon authentisches Ostsee-Feeling erlebt man beispielsweise am Cospudener See in Leipzig Markleeberg. Den sportlichen Aktivitäten zu Wasser als auch an Land sind hier keine Grenzen gesetzt. Man kann Kiten, Segeln, Windsurfen oder auf Inlineskates einfach den kompletten See umrunden. Man kann es aber auch einfach sein lassen und die Sonne an den langen Strandabschnitten genießen. In Herbst und Winter ist die Gegend wie geschaffen für romantische Spaziergänge – gerade wenn man der Großstadt entfliehen und den Lärm für wenige Stunden hinter sich lassen möchte.

Cospudener See

Auch einige Caches sind natürlich am Start. Nur für die Motivation 😉

Cospudener See
Cospudener See

Wir sind ebenfalls oft am Wallendorfer See unterwegs, der in der Nähe von Merseburg in Sachsen-Anhalt liegt. Er grenzt an die wunderschöne Auenlandschaft von Elster und Luppe an und ist somit ein perfekter Ausgangspunkt für Wanderungen zwischen Halle und Leipzig. Auch hier genießen wir persönlich am liebsten die Tage, an denen jeder normale Mensch von schlechtem Wetter spricht. Verträumtes Regenprasseln oder sanfter Schneefall, nur ein paar Zugvögel und …Stille.

Fast genauso viel Spaß macht es natürlich, sich im Sommer ein paar Freunde,  das (also am besten sein eigenes) Fahrrad und einen Picknickkorb zu schnappen – ein idyllisches Plätzchen findet man eigentlich immer.

Cospudener See

Nicht zu vergessen der atemberaubende Ausblick auf die (inzwischen auch sauberen) BUNA-Werke… da weiß man, dass man ist zu Hause ist 😀

Kommt mal vorbei!

Cospudener See

Für mehr Infos – Die Seite des LMBV

Amazon: Das Mitteldeutsche Seenland. Vom Wandel einer Landschaft: Der Süden

Amazon: Das Mitteldeutsche Seenland: Vom Wandel einer Landschaft. Der Norden

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Geocaching

„Wir nutzen milliardenteure Militärtechnik, um Tupperdosen im Wald zu suchen!“

 

Viele Menschen haben den Begriff Geocaching mittlerweile zumindest einmal gehört. Die meisten dürften ihn wohl aber wieder vergessen haben. Für Einige jedoch ist dieses Hobby zu einem treuen Lebensbegleiter geworden. So auch für uns.

Geocaching – Was ist das?

Allgemein erklärt ist Geocaching so etwas wie eine moderne Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Auf verschiedenen Online-Platformen findet man Koordinaten, an denen andere Cacher „Schätze“ ausgelegt haben. Diese geht man dann suchen. Also im real life. Draußen. Mit frischer Luft. Im Wald. Unter oder auf Bäumen. Oder aber mitten in der Stadt. Überall auf der Welt. Wie man will 😉
Dazu benötigt man einen GPS-Empfänger oder eben ein Smartphone, welches die Standortortung integriert hat. Und feste Schuhe. Manchmal Gummistiefel. Und eine Zeckenzange. Ich erwähne es lieber vorher. 😉

Die benannten Schätze bestehen in der Regel aus Tupper- oder Filmdosen verschiedener Größen und Formen. Wenn man allerdings Glück hat, findet man auch „Dosen“ die damit gar nichts gemein haben. Es kann durchaus mal passieren, dass man mitten im Bayrischen Wald vor einem Briefkasten steht. Oder einer Telefonzelle. Okay, das ist übertrieben. Oder doch nicht?

Die Caches sind aber allesamt mehr oder weniger sicher und gut vor den Augen sogenannter „Muggel“ (Harry Potter lässt grüßen), also Nichtcachern, versteckt. Wenn man einen Cache sucht und von Muggeln umgeben ist, sollte man übrigens nicht die Hände im Rücken verschränken, gen Himmel schauen und pfeifen. Fällt auf. Wirklich.

Knapp 3 Millionen Geocaches existieren momentan weltweit – mindestens einer in fast jedem Staat der Erde. Ja, auch am Südpol.

In jedem Cache befindet sich ein Logbuch, in das man sich mit seinem Nicknamen eintragen kann und sollte. Danach versteckt man den Cache wieder an Ort und Stelle. Später „loggt“ man seinen Besuch am Cache dann online. Jeder besuchte Cache wird gezählt und gelistet. Vorausgesetzt natürlich, man ist entsprechend auf der Website registriert.

Ursprünglich war der Gedanke des Cachens, dass die Dosen Platz für Tauschgegenstände bieten sollten und die Cacher diese gegen andere im gleichen oder einem höheren Wert eintauschen. Davon ist man aber mittlerweile größtenteils abgekommen.

Die Caches sind in verschiedene Schwierigkeitsgrade eingeteilt. Es kommen sowohl Anfänger, fortgeschrittene als auch (Outdoor-)Profis auf ihre Kosten. Anfängern empfiehlt es sich, zunächst einen einfach gewerteten „Tradi“ (Traditional Cache) zu suchen. Zwei weitere populäre Cachetypen wären:

  • Multicaches, bei denen mehrere Stationen absolviert und kleine oder größere Aufgaben bewältigt werden müssen, um den Schatz zu finden
  • Mysterycaches, bei denen im Vorfeld ein Rätsel gelöst werden muss, um die Zielkoordinaten zu ermitteln

Bei Letzterem kann auch schon mal der ein oder andere Abend vor dem PC zu einer Tortur werden. Es gibt unheimlich fiese Mysteries, die den ambitionierten Dosensucher über Wochen beschäftigen und deren Lösung er trotzdem nie erfahren wird. Das ist normal für Normalsterbliche. Ihr seid nicht zu blöd zum Cachen. Ehrlich.

Geocaching – Was es für uns bedeutet

Der größte Reiz am Cachen ist es für uns, findige, interessante und aufwändige Basteleien zu entdecken, Caches zu finden, die kreativ in die Landschaft integriert wurden und natürlich auch mit einem Blick für Details unsere Umgebung zu erkunden.

Wir persönlich sind keine Gegner von Trails, also längeren Strecken mit hoher Cachedichte, einfach da man motivierter an längere Wanderungen geht.

Das Beste am Cachen sind allerdings die Kommunikation, die Gespräche, Zeit für Zweisamkeit und Flucht aus dem reizüberfluteten Alltag. Durch Listings (Cachebeschreibungen) erfährt man außerdem immer mal wieder Wissenswertes und INteressantes aus sämtlichen Lebensbereichen, allem voran Geschichte und Kultur. Also für für Angeber und Besserwisser bestens geeignet.

Durch das Cachen haben wir unsere Umgebung von einer völlig neuen Seite kennengelernt, weil man dazu gezwungen ist, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und nicht achtlos an allem vorbei. Wir sind keine FTF-Jäger (= Erster zu sein, wenn ein neuer Cache veröffentlicht wird – für manche Cacher Ehrensache) und sehen das Hobby immer noch als Hobby und nicht als Lebensinhalt. An Caches, die in sechs Metern Höhe angebracht sind, gehen wir auch eher vorbei, wenn er nicht bequem über eine Treppe zu erreichen ist. Aber trotzdem sind wir schon über fünf Jahre dabei und haben noch lange nicht genug.

Wir sind diesem Hobby im Grunde genommen dankbar dafür, dass wir unsere Hintern vor die Tür bekommen. Wenn man will, lässt sich jedes Wochenende zu einem Kurzurlaub machen, ohne weit fahren zu müssen oder viel Geld auszugeben.

Probiert es einfach aus!

Cospudener See

 

Links:

Offizielle Geocaching-Website

Freies Portal für Geocaching

Shop für Geocaching und Outdoof-Bedarf

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Reisen um jeden Preis?

Der Mensch bereist die Welt auf der Suche nach dem, was ihm fehlt. Und er kehrt nach Hause zurück, um es zu finden.

– George Moore

Zugegeben, mit einem Zitat von George Moore in einen neuen Blog zu starten, ist nicht gerade das innovativste Unterfangen. Doch gerade in letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, wie sehr sich das Leben vieler Menschen um das Reisen dreht. Aber eben nicht aus Leidenschaft für ein Land oder eine Region. Sondern um des Reisens Willen.

Die Welt zu entdecken, zu erkunden und teilweise sogar zu verstehen, gehört für mich zu den wichtigsten Aufgaben im Leben eines Menschen. „Ich muss hier raus“ ist einer der Sätze, der mich in meinem Alltag stets begleitet. Das bedeutet aber nicht Reisen um jeden Preis.

Jeder Urlaubstag wird genutzt, um sich abzuhetzen, um möglichst viel in kurzer Zeit zu sehen, für viel Gesprächsstoff bei Kollegen und Freunden zu sorgen. Man fliegt in den hinterletzten Winkel der Erde, um dort seinen Fußabdruck zu hinterlassen und ja nichts zu verpassen.

Warum artet Reisen so oft in Stress aus? Ist es nicht der Sinn des Entdeckens der Welt, es aufmerksam, mit Blick für Feinheiten und in Ruhe zu tun?

 

Ich bekomme immer wieder den Eindruck, dass es den Menschen viel mehr auf das ankommt, was sie mit der Kamera festhalten oder sie nach ihrer Heimkehr berichten können, anstatt den Augenblick zu genießen. Aber wann konnte jemals ein Foto eines Sonnenuntergangs einem Daheimgebliebenen eine Gänsehaut bereiten? Natürlich möchte man vor allem für sich selbst möglichst viele Erinnerungen im Gepäck nach Hause bei sich haben – aber kann es nicht vielleicht sein, dass einem so manches Detail entgangen ist, das die Kameralinse uns einfach verschweigt?

Für mich ist es inzwischen eine Passion geworden, meine unmittelbare Umgebung kennenzulernen. Wann seid ihr das letzte mal mit offenen Augen durch den Stadtwald gelaufen? Wissen wir nicht viel zu wenig über unsere Mitmenschen, über unseren Heimatort, über die Natur vor unserer Haustür?

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Vor einigen Monaten lernten wir auf einer unserer Geocaching-Touren in einem winzigen Dorf in Sachsen-Anhalt eine ältere Dame kennen. Wir fielen ihr auf, als wir gerade etwas für einen Multicache zusammenzählten. Nachdem wir sie kurz aufklärten, was wir da taten, kamen wir ins Gespräch und erfuhren im Laufe des Gespräches nicht nur einiges Interessante zu der Kirchenruine vor der wir standen, sondern auch ihre bewegte Geschichte, die der Zweite Weltkrieg leider zu einem großen Teil schrieb. Ein schönes und rührendes Aufeinandertreffen.

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Wenn ich den Menschen in meiner Umgebung berichte, dass für mich so mancher Sonntagsspaziergang wie ein kleiner Urlaub ist, werde ich oft ungläubig angeschaut. Dies war für mich der Auslöser, meine und unsere Erlebnisse mit Anderen zu teilen. Wir möchten euch gerne erzählen, warum es manchmal gar nicht so verkehrt ist, die Träumerei von Übersee über Bord zu werfen, von der Couch aufzustehen und eine kleine Reise zu unternehmen, für die man keinen Koffer packen muss.

Genießt den Frühling!
Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt