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Fernbeziehung.

„Die Entwicklungschancen einer Beziehung sind um so größer, je mehr Chancen wir ihrer Entwicklung geben.“

Ernst Ferstl

 

Im nächsten Monat jährt sich zum fünften mal das Ende unseres „normalen“ Pärchendaseins. Wir führten schon immer eine Beziehung der Sorte „Zweierpack“. In der Regel gab es uns zusammen oder eben nicht. Solange, bis meine bessere Hälfte den Job verlor. Es dauerte nicht lange, bis er sich überregional auf Arbeitsstellen bewerben musste. Nach einiger Zeit fand er tatsächlich ein Unternehmen, das ihn einstellte. In 120 Kilometern Entfernung und befristet als Schwangerschaftsvertretung. Für mich brach damals eine halbe Welt zusammen. Der Anfang einer Fernbeziehung.

Bis heute ist es für uns nicht ganz nachvollziehbar, warum in einer Region, in welcher viele Industriebetriebe ansässig sind, keine jungen Fachkräfte mit akademischem Hintergrund und Berufserfahrung eingestellt werden und gleichzeitig über Überalterung und Fachkräftemangel geklagt wird.

Die erste Zeit war für uns wirklich hart. Damals war ich gerade in der schlimmsten Phase meiner Agoraphobie und Reiseangst, weshalb ich plötzlich lernen musste, viele Dinge im Alleingang zu meistern. Natürlich ist es nicht „normal“, mit Mitte zwanzig relativ unselbstständig zu sein. Allerdings leiden „normale“ Menschen auch nicht unter Panik, wenn sie mal mit dem Bus fahren müssen.

Mein Partner lebte sich in der neuen Firma schnell ein und leistete auch gute Arbeit, wie ihm immer wieder bescheinigt wurde. Am Ende des befristeten Vertrages war klar, dass er in einer sogar höheren Position übernommen wurde.

Nur die Nachmittage allein in seiner kleinen Bungalowhütte konnten gerade im Winter für ihn sehr lang werden – und werden es auch immer noch. Denn dass diese Firma noch ziemlich weit hinter dem Arsch der Welt liegt, lässt uns beide damals wie heute verzweifeln. Als Stadtmenschen, die wir es gewohnt sind, mal eben nett essen oder shoppen zu gehen… oder einfach Dinge zu unternehmen, die man als Stadtmensch eben so tut, schauten wir ob des dörflichen Lebens ziemlich blöd aus der Wäsche.

Nach wie vor stellt sich also beim Gedanken an einen Umzug in die Region ein unwohler Gedanke ein – auch wenn wir tatsächlich schon aktiv nach Wohnraum gesucht haben. Dieser ist allerdings ohnehin unverschämt überteuert, wie man es in vielen deutschen Gegenden derzeit kennt. Auf die Frage von Kollegen hin, wann wir denn nun endlich umziehen, haben wir demzufolge nur noch verständnislose Blicke übrig.

So bleibt uns vorerst nur, das Beste aus der Situation zu machen.

Was ich aus unserer Fernbeziehung gelernt habe

Wie eingangs erwähnt, war ich plötzlich fünf Tage die Woche auf mich allein gestellt und fristete ein Strohwitwen-Dasein. Für jemanden mit akuter Angst und Panik nicht die leichteste Aufgabe. Dennoch bin ich nach und nach tatsächlich selbstständiger geworden. Viele vermeintliche Herausforderungen des täglichen Lebens entpuppten sich als Kleinkram, der mir fortan immer leichter fiel.

Dennoch muss das gemeinsame Leben trotz Fernbeziehung irgendwie organisiert werden – es stehen schließlich immer mal Termine an, die man zu Zweit erledigen muss. Oder eben, meinen Partner betreffend, unter der Woche am Wohnort. Da hieß es dann telefonieren und nervige Termine in die kostbare Urlaubszeit packen. In solchen Momenten bin ich froh, keine Kinder zu haben.

Es ist hinreichend bekannt, dass gerade in den neuen Bundesländern die Anzahl der Pendler steigt und immer mehr Menschen unter der Woche nicht bei ihren Familien sein können – liebe Behörden und Unternehmen, wann reagiert ihr darauf und macht Erledigungen leichter, indem ihr endlich dieses „Internet“ kennenlernt und benutzt, beziehungsweise am Wochenende erreichbar seid??

Mit der Zeit stellt sich also die Routine ein; man gewöhnt sich an die Tatsachen und richtet sich den Alltag entsprechend ein. Apropos Alltag – kurze Telefonate und Nachrichten den Tag über verteilt sorgen ganz stressfrei dafür, dass man immer noch Teil des Lebens seines Partners ist. Man muss nicht jeden Abend stundenlang am Telefon oder Skype & Co. Verbringen – jedenfalls wir müssen das nicht. Aber kleine, alltägliche Begebenheiten und „Erlebnisse“ halten die Beziehung lebendig. Und ja, manchmal schicken wir uns Fotos unserer gekochten Mahlzeiten, um den anderen möglichst neidisch zu machen 😉

Ein weiterer – und der vermutlich wichtigste – Aspekt ist das Treffen am Wochenende. Wir gestalten die Zeit möglichst aktiv und unternehmen viel. Ich sorge bereits in der Woche dafür, dass im Haushalt wenig anfällt und wir die Tage draußen verbringen können – zum Beispiel beim Geocaching.

Wanderungen und Ausflüge sind für uns die perfekte Art und Weise, sich auszutauschen und verlorene Zeit aufzuholen. Gemeinsames Kochen und Essen, später dann ein gesellschafts- oder PC-Spiel runden diese Tage ab. Natürlich fällt auch mal ein „Schatz, lass uns mal ’ne Wand streichen“ (oder „schau mal nach dem Siphon“) an, eben Dinge, die ‚frau‘ unter der Woche dann halt doch nicht alleine machen will oder kann.

Der eindeutige  Vorteil einer Fernbeziehung ist jedoch, dass man die gemeinsame Zeit viel mehr zu schätzen weiß und bewusst angeht, ohne sie zu vergeuden. Gar nicht mal so wenig Paare, die sich täglich sehen, leben laut eigener Aussage nebeneinander her. Die Selbstverständlichkeit eines täglichen Umgangs wird zur Routine, welche eben auch Gift für eine Partnerschaft sein kann.

Wichtig bei allem ist nur, in der zusammen verbrachten Zeit möglichst viel zu kommunizieren, sodass man sich gegenseitig nicht aus den Augen verliert.

Es kann wirklich wehtun, wenn man in schwierigen Momenten keine Partner zum Redem oder Umarmen hat. Das Bedürfnis nach Nähe leidet natürlich unter den Umständen, welche eine Fernbeziehung mit sich bringt. Vor allem in meiner akuten Angstzeit gab es immer wieder Tage und Nächte, in denen ich einen Partner an meiner Seite eigentlich gebraucht hätte. Leider beschränkte sich das in der Regel auf meinen Kater (an dieser Stelle: Danke an Miep Miep ;). Allerdings lernt man sich selbst in solchen Situationen von einer neuen Seite kennen. Und vielleicht lernt man auch, sich selbst etwas mehr zu vertrauen.

Die Voraussetzungen, um das Ganze bestmöglich meistern zu können, liegen also eigentlich auf der Hand: ehrliche Kommunikation und in jedem Fall auch: Treue und Vertrauen. Denn wenn beides nicht vorhanden ist, ist eine Fernbeziehung in meinen Augen zum Scheitern verurteilt.

Wenn die Bindung allerdings stark genug ist, dann kann man durchaus auch Vorteile aus den Lebensumständen ziehen. Und wer weiß – vielleicht geht doch irgendwann alles schneller als man denkt und kommt durch glückliche Zufälle wieder zu mehr Zweisamkeit.

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